Das Zeitalter verfügbaren Wissens und warum der Fachmann dennoch unverzichtbar ist
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An der Bar mit Edward...

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Das Zeitalter verfügbaren Wissens und warum der Fachmann dennoch unverzichtbar ist

Im heutigen Bargespräch geht es um die Relevanz von Experten und die Frage, welche Rolle sie im Zeitalter demokratisierten Wissens spielt. Edward, der Barkeeper, bricht eine Lanze für Fachleute jedweder Provenienz.

Die Medialounge ist heute bis zum Bersten gefüllt. Es ist einer jener Abende, an denen sich scheinbar alle abgesprochen haben auszugehen. Doch nicht überall ist die Stimmung heiter und entspannt. Am Ende des Bartresens sind drei Stammgäste in eine heiße Diskussion verstrickt. Edward, der Barkeeper, nähert sich dem Treiben von Andrea Schmidt, Felix Herrmann und Enya Wagner. Die drei Trainees aus der Marketingabteilung eines großen Autovermieters beenden ihr rhetorisches Scharmützel erst, als er sich vor ihnen aufbaut.

„Muss ich die Cocktail-Polizei rufen oder entspannt Ihr Euch wieder?“, fragt Eddy in die Runde. Ohne auf seine nicht ernstgemeinte Frage einzugehen, wendet sich Andrea Schmidt direkt an ihn: „Mit oder ohne?"

„Mit oder ohne was?“, fragt der Barkeeper zurück. „Olive. Mit oder ohne Olive? Beim Wodka Martini.“ Bevor Edward antworten kann, platzt ihm Felix Herrmann dazwischen: „Mit natürlich. Ich habe doch schon – wie bereits dreimal erwähnt – im Internet die Lösung gefunden.“

„…In irgendeinem Forum für selbsternannte Experten“, kontert Schmidt.

„Was heißt hier „irgendein Forum“ und „selbsternannte Experten“ – das nennt sich Schwarmintelligenz.“

Nun mischt sich auch Enya Wagner in die Debatte ein: „Also ich finde, wir sollten den Fachmann fragen, wenn er schon mal hier ist.“ Während Andrea Schmidt dieser Idee etwas abgewinnen kann, hält Herrmann eher wenig davon: Ich habe die Lösung im Internet gefunden und damit ist das Thema für mich erledigt – sorry, Eddy, Du kommst fünf Minuten zu spät.

Jetzt platzt Wagner fast der Kragen: „Das Internet in allen Ehren, aber wenn Du eine ungewöhnliche Krankheit hast oder eine gewöhnliche Krankheit länger dauert, konsultierst Du auch den Facharzt und nicht Google. Jedenfalls nicht ausschließlich. Für kniffelige juristische Fälle gibt es den Fachanwalt. Und im Büro haben wir unsere Fachzeitschriften und selbst Du gehst auf Fachmessen.“

„Das ist ja schön, dass Du hier alle Wörter mit der Silbe „Fach“ aufführst, aber wie stehst Du denn zum „Fachchinesisch“ oder zum „Fachidioten“? Ich bleibe dabei: Das Zeitalter der Fachleute ist vorbei“, insistiert Felix Herrmann.

„Schau Dir doch einfach einmal an, welchen herabwürdigenden Charakter die von Dir verwendeten Begriffe haben. Es gibt ja sogar stehende Wendungen, die auf ganzer Front das positive Image von Fachleuten, also Experten in eine sprachliche Form gießen; zum Beispiel: Jemand ist vom Fach.“

Damit hat Schmidt genau das richtige Stichwort gegeben: Edward will das Fachleute-Bashing nicht länger wortlos dulden und schaltet sich jetzt ein: „Mein lieber Felix, Du hast sowohl recht also unrecht.“ Dann erklärt er ihm mit einem historischen Abriss den Wodka Martini: James Bond-„Vater“ Ian Fleming ließ seinen Spion erstmals in 1953 einen Dry Martini bestellen. Das war in dem Roman Casino Royale. Für seine Leser erklärte er das Rezept wie folgt: Drei Maß Gordon's, ein Maß Wodka und ein halbes Maß Kina Lillet. Da der Likör Kina Lillet seit geraumer Zeit nicht mehr produziert wird, verwendet man heute Wermut. Im Buch sollte der Barmann den Drink - natürlich - schütteln und mit einer Zitronenzeste garnieren. Wie er dann tatsächlich zubereitet wird, ist mittlerweile legendär.

„Zitronenzeste? Keine Olive?“, äußerst sich Herrmann enttäuscht. „Olive oder Zitronenzeste - diese Frage stellte sich Bond natürlich nicht: Mit Olive gelangt eine etwas salzigere Note in den Drink, den bereits Präsident Franklin.D. Roosevelt mit Olivenlake schätzte. Mit Zitronenzeste, dem äußersten Rand der Zitronenschale sind es die fruchtigen, mediterranen Aromen.

Felix Herrmann versucht seine Enttäuschung über diese Ausführungen zu überspielen, in dem er sich in Rechthaberei übt: „Das war jetzt wirklich beeindruckend und auch charmant geschildert, aber glaubst Du nicht auch Eddy, dass ich bei intensiver Internetrecherche selbst darauf gekommen wäre?"

"Klar, über kurz oder lang bestimmt. Fachleute zeichnen sich jedoch auch dadurch aus, dass sie ihr Wissen anwenden können, dass Sie zu bestimmten Aspekten Analogien bilden und dass sie Sachverhalte einordnen können. Schau Dir das Pärchen an dem Tisch hinten links an: Wer von den beiden würde mit Olive bestellen und wer mit Zitronenzeste?“, fragt Edward.

„Er nimmt die Olive, stimmt’s?“, frohlockt Herrmann. „Genau umgekehrt!“, kontert der Barkeeper und wie abgesprochen springt ihm Schmidt zur Seite: „Edward kennt seine Stammgäste, weiß über ihre Vorlieben und bereitet dann das Produkt in Top-Qualität zu. Genau wie wir auch unsere Inhalte so verfassen, dass sie bei den Buyer Personas ankommen.“

Und Wagner ergänzt: „Warum kommst Du denn in die Media Lounge? Du könntest genauso gut Deine Cocktails zu Hause mixen, es wäre zwar auf den ersten Blick preiswerter, aber dafür müsstest Du Kompromisse bei der Vielfalt eingehen, die Qualität Deiner Mixkünste ist schwankend und dann noch das fehlende passende Umfeld, also für Dich als Teilzeit-Single." Bei diesem Wort müssen alle lachen, zuletzt stimmt auch Herrmann mit ein: „Na gut, ich gebe mich geschlagen – ein Hoch auf den Fachmann: Prost, Eddy!“

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