ePrivacy-Verordnung: Panik ist ein schlechter Ratgeber
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ePrivacy-Verordnung: Panik ist ein schlechter Ratgeber

Als Director Media Sales der Haufe Group ist Christian Schmitt für die rechtssichere Umsetzung der Vorgaben und Restriktionen von Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und ePrivacy-Verordnung (ePVO) im eigenen Haus mitverantwortlich. Weil er das Werbemittelangebot des Haufe Verlags schon heute zukunftssicher aufgestellt sieht, blickt er dem Inkrafttreten der ePVO gelassen entgegen, appelliert aber auch an werbetreibende Unternehmen, ihre Geschäftsmodelle auf den Prüfstand zu stellen.

Herr Schmitt, im Kontext der vom Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. in den Raum gestellten Hochrechnung, die ePrivacy-Verordnung in ihrer derzeitigen Fassung könnte Werbeeinbußen von über 30 Prozent zur Folge haben, fordern Sie die deutsche Wirtschaft in einem kürzlich veröffentlichten Kommentar auf, nicht zu meckern, sondern die Ärmel hochzukrempeln. Was unternimmt Haufe, um sich auf die ePVO vorzubereiten?

Haufe positioniert sich schon heute als verlässlicher und rechtsicherer Partner. Wir haben akzeptiert, dass wir handeln müssen und machen frühzeitig unsere Hausaufgaben. Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir unseren Kunden zum Thema Datenschutz Orientierung geben und praktikable Handlungsoptionen aufzeigen. Darum blicken wir der ePrivacy-Verordnung recht gelassen entgegen. Wir rechnen nicht mit Werbeeinbußen. Ganz im Gegenteil.

Wie ist Ihre ganz persönliche Einschätzung: Inwieweit wird sich der Werbemarkt durch die DSGVO und die ePVO verändern?

Wir gehen davon aus, dass uns eine Marktkonsolidierung bevorsteht. Marktteilnehmer, die heute schon stark sind, werden noch stärker werden. Zu den Gewinnern werden aber auch jene gehören, die sich frühzeitig an die neuen Marktgegebenheiten angepasst haben. Ich bin davon überzeugt, dass Publisher, die professionellen Qualitätsjournalismus betreiben und entsprechende Werbemittelangebote haben, von der ePVO profitieren werden.

Bemerken Sie Verunsicherung oder gar Panik bei Ihren Werbekunden?

Was wir auf jeden Fall bemerken, ist Verunsicherung. Einige Werbekunden werden jedoch früher oder später in Panik geraten, da die ePVO einzelne Geschäftsmodelle komplett in Frage stellt. Aber Panik ist ein schlechter Ratgeber. Werbetreibende Unternehmen sollten stattdessen rechtzeitig die Weichen in Richtung Datenschutz stellen, ihre Strategie gemäß der neuen Gegebenheiten nachhaltig anpassen und nur mit Partnern zusammenarbeiten, denen sie vertrauen können. Bei Verstößen können nämlich beide haftbar gemacht werden.

Gibt es neue Werbemittel oder Services, die Haufe Werbetreibenden zukünftig anbieten möchte?

Es wird ein Mix aus Bewährtem und Neuem sein, daran ändert sich nichts. Jedoch wird es uns zukünftig ein Anliegen sein, die Werbemittel unserer Kunden rechtssicher und mit entsprechender Werbewirkung in ihren B2B-Zielmärkten zu platzieren. Unsere These ist, dass Werbung in den relevanten Umfeldern von Qualitätsmedien wieder an Bedeutung gewinnen wird.

Hand auf´s Herz: Wie sehen Sie als Verbraucher die Regularien der ePVO?

Grundsätzlich möchte man als Verbraucher von Unternehmen ernstgenommen werden. Dazu gehört auch, dass man nicht gestalkt und von irrelevanter Werbung belästigt wird. Meine Hoffnung ist, dass sich Unternehmen besinnen, dass sie mit Kreativität und guten Geschichten wieder die Herzen der Menschen berühren und erreichen. Das wird nicht allen Unternehmen gelingen, aber grundsätzlich könnte die ePVO dazu führen, dass sich die Qualität der Kommunikation zwischen Unternehmen und Verbraucher verbessert.

Und abschließend: Wenn Sie ein Bild über die Zukunft der Werbung malen dürften, wie sähe das Gemälde aus? Schwarz-weiß oder bunt?

Die Zukunft der Werbung war schon immer bunt. Die Einflüsse der jeweiligen Zeit haben den Stil geprägt, und die Wirkung von Werbung hat sich immer schon verändert. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

Als Director Media Sales der Haufe Group verantwortet Christian A. Schmitt seit 2014 die Vermarktung des Fachmedienangebots des deutschlandweit führenden Anbieters für digitale Arbeitsplatzlösungen und Dienstleistungen sowie im Bereich Aus- und Weiterbildung. Der Betriebswirt war zunächst im Direktmarketing bei der GÖDE-Gruppe beschäftigt und wechselte dann zur IT-Unternehmensberatung PASS Consulting Group. Als Leiter der Werbeagentur konzept verantwortete er das Geschäft mit namhaften B2B- und B2C-Unternehmen, bevor er ab 2006 verschiedene Positionen im traditionsreichen Fachverlag Vogel Business Media bekleidete, zuletzt als Objektleiter des von ihm aufgebauten B2B-Fachportals marconomy.