#FEHLERausradieren: Warum ist es wichtig, nicht gegen die eigene Überzeugung zu handeln?

Manchmal ist es doch gut, auf das eigene Bauchgefühl zu vertrauen, um eine wichtige Entscheidung zu treffen. Warum sie nicht mehr gegen ihre Überzeugung handelt, wenn es um #FEHLERausradieren und #BESSERwerden geht, schildert Marion Schopen, Geschäftsführerin des ime – Institut für Management-Entwicklung, im Interview.


Warum sollte man nicht wider die eigene Überzeugung handeln? | Haufe Group
© ime – Institut für Management-Entwicklung

Liebe Frau Schopen, als Geschäftsführerin und Gesellschafterin eines Trainings-Instituts für Management-Entwicklung haben Sie die Auswirkungen der Corona-Pandemie besonders stark getroffen. Wie sind Sie dieser Ausnahmesituation begegnet?

Das stimmt. Von heute auf morgen ist unser komplettes Geschäft – und damit jeglicher Umsatz – weggebrochen. Die Hotels, in denen wir unsere offenen Trainings durchgeführt haben, waren geschlossen. Unternehmen haben ihre Mitarbeiter nicht mehr reisen lassen, um an Weiterbildungen teilzunehmen. Man muss sich das mal vor Augen führen: Wir haben zwei Monate lang nur Stornos bearbeitet. Die Lage war nicht nur für uns äußerst unsicher, sondern auch für die rund 100 freiberuflichen Trainer, mit denen wir zusammenarbeiten. Zumal sich die Gesetzeslage dauernd verändert hat. Wir brauchten schnellstens ein tragfähiges Konzept, um weitermachen zu können. Und ja, Kurzarbeit war eine wichtige Maßnahme – ebenso wie die Inanspruchnahme weiterer staatlicher Unterstützung, die wir dankbar angenommen und gewissenhaft genutzt haben, um unser Angebot weiter zu digitalisieren. Bei der Umsetzung in die Praxis ist uns jedoch zunächst ein strategischer Fehler unterlaufen.

Was war passiert?

Aus einem Impuls heraus haben wir uns dazu entschlossen, sehr günstige Webinare mit minimaler Interaktion zwischen Trainer und Teilnehmern anzubieten. Wir bezeichnen das gern als „Standardinhalt aus der Konserve“. Per se ist das natürlich keine falsche Entscheidung. Aber wir waren davon nicht überzeugt. Diese Art von Webinar passt einfach nicht zu uns. Individuelle Konzepte und größtmögliche Interaktion – das ist wichtig für uns. Doch dann sind sowohl die Vorbereitung als auch die Durchführung aufwendig. Wir sind der Meinung: Gute Leistung darf gutes Geld kosten. Es gibt unzählige Anbieter am Markt, die seit Beginn der Pandemie kostenlose Webinare durchführen. Hier sehen wir uns nicht, es wäre gegen unsere „ime-DNA“. Hinzu kam: Auch der eine oder andere Kooperationstrainer wollte keine „Konserven-Webinare“ umsetzen. Nach zwei Monaten haben wir dann einen Schlussstrich gezogen.

Was haben Sie stattdessen getan? Schließlich mussten Sie Ihr Unternehmen am Leben halten?

Wir haben uns stattdessen auf unsere Kernkompetenz fokussiert: Gemeinsam mit unseren und für unsere Kunden individuelle Konzepte erarbeiten, die wir didaktisch zielführend umsetzen – nur eben digital als Live-Online-Trainings (LOT), und nicht mehr in Präsenz vor Ort. Dass wir zunächst in Hektik verfallen sind, hat bei uns viel Gutes bewirkt. Uns ist klar geworden, dass es eine neue Form der Fehlertoleranz und -akzeptanz braucht – und ein neues Mindset. In einer solch unplanbaren Situation dürfen Fehler passieren. Sie sind sogar wichtig, um sich weiterzuentwickeln. Wir haben gelernt, dass es nachteilig ist, an einer Entscheidung festzuhalten, wenn sie sich als falsch entpuppt. Agil und flexibel zu bleiben, ist über die Krise hinaus sehr wichtig. Dabei sollte unser Handeln immer die Struktur bestimmen, und nicht umgekehrt.

Was meinen Sie damit?

Nun ja, als kleines Unternehmen mit 16 festen Mitarbeitern können wir natürlich viel dynamischer agieren als ein Großkonzern. Doch genau das muss man zulassen wollen und können. Dinge ausprobieren und dann übernehmen, was gut funktioniert – das ist heute gefragt. Wir sind in der glücklichen Lage, dass unser Team gut gemischt ist: Alter und Erfahrung einerseits, Jugend und Unvoreingenommenheit andererseits – sozusagen vom Babyboomer bis zum Millennial. Das setzt Synergien und viel kreatives Potenzial frei. 

Wie kommt Ihnen das in der Praxis zugute? 

Als Führungskraft verfolge ich seit vielen Jahren den Ansatz, dass ich mein Team dazu befähige, sich selbst zu führen. Das ist in einer Ausnahmesituation wie der Corona-Pandemie natürlich noch wichtiger. Schließlich kann immer jemand ausfallen – auch die Führungskraft. In dieser Zeit sind wir dazu übergegangen, Teams im Team zu bilden, um Entscheidungen – über meine Person hinaus – gemeinsam tragfähig und transparent zu machen. So haben wir die „ime-Crew“ geformt, die noch besser zusammenarbeitet als zuvor. Denn mitunter sind Entscheidungen zu treffen, die sehr belastend sein können. Entsprechend stabil muss das Umfeld sein – sowohl beruflich als auch privat. Denn insbesondere im Homeoffice lässt sich das ja überhaupt nicht mehr trennen. Dabei haben wir uns immer und überall die Frage nach dem Warum gestellt: Was wollen wir nicht aufgeben? Und aus welchem Grund ist das so? So haben wir Werte für das ime als Unternehmen formuliert, die dann jeder für sich selbst definiert hat. Ein zentraler Wert lautet: Mut ist gut. Es ist aber auch okay, etwas nicht zu können. Und hier wären wir wieder bei den Webinaren. Nachdem wir akzeptiert hatten, dass wir nicht auf den Webinar-Zug aufspringen müssen, war es ganz leicht, unsere Fehlentscheidung zu revidieren. Wir haben uns auf das besonnen, worin wir richtig gut sind: Unternehmen in Sachen Personal- und Organisationsentwicklung hochwertig beraten und in der Umsetzung unterstützen. Das ist unsere ime-DNA.

Wie profitieren Ihre Kunden von dieser neuen Haltung?

Unsere Erfahrungen geben wir im Rahmen von Workshops und Trainings weiter. Wir statten Menschen in Unternehmen nach wie vor mit dem Skillset aus, das sie brauchen, um eine ganz individuelle Herausforderung zu meistern und so für die Zukunft besser gerüstet zu sein. Natürlich haben diese Veranstaltungen während der Corona-Hochzeit ausschließlich digital stattgefunden. Daran mussten wir uns gewöhnen. Rückblickend ist es uns ganz gut gelungen, bewährte Konzepte methodisch-didaktisch neu zu denken und in die digitale Lernwelt zu übertragen. Die entwickelten Live-Online-Konzepte nutzen viele Firmen bis heute – auch wenn wir uns inzwischen manchmal sogar wieder live und in Farbe treffen.

Was nehmen Sie persönlich aus dieser Zeit mit? 

Eine ganz wesentliche Erkenntnis ist, dass auch obere Manager und Führungskräfte lernfähig sind. Ich erkläre gern, was ich damit meine. In einem Training kamen 75 Führungskräfte aus drei Kontinenten mehrfach digital zusammen. Allein das wäre früher undenkbar gewesen. Die Manager hätten sicherlich auf einen einzigen Präsenztermin bestanden. Hinzu kommt: Mit der bloßen Teilnahme war es bei diesem Live-Online-Programm nicht getan. Die oberen Führungskräfte mussten sich auf eine virtuelle „Leadership-Journey“ begeben, Transfer-Aufgaben im Lerntandem selbstgesteuert bearbeiten und sich im „Virtual-Classroom“ aktiv beteiligen. Im Business-Alltag ist diese Art der Zusammenarbeit und des gemeinsamen Lernens nicht so oft gefordert, da geht es in erster Linie ums Entscheiden im hierarchischen Sinn und – vor allem – ohne Lernanteil. Dass alle so motiviert mitgemacht haben, hat uns positiv überrascht. Die Mühe, dass bewährte Präsenzkonzept ins digitale „New-Work – New-Leadership“ zu transformierten, hat sich auf jeden Fall bezahlt gemacht. Umso neugieriger bin ich, ob noch mehr Innovation beim Lernen auf höchster Führungsebene möglich sein könnte. Und wenn ja, in welcher Form.

Wie lautet Ihre vorläufige Einschätzung?

Ich glaube schon, dass noch mehr geht. Wenn man sich allein unsere Räumlichkeiten anschaut – hier sieht es ganz anders aus als noch vor anderthalb Jahren. Unsere Büros haben sich in Studios verwandelt, in denen wir Live-Online-Workshops durchführen und Seminare leiten. Dass wir unsere Trainer ermutigt haben, sich selbst zum Live-Online-Coach weiterzubilden, davon profitieren wir heute sehr. Unser eigenes ime-Team und (fast) alle ime-Kooperationstrainer bewegen sich ganz selbstverständlich in den virtuellen Räumen und gehen souverän mit der digitalen Toolbox um. Da gibt es keinerlei Vorbehalte mehr. Was sich ebenfalls bewährt hat, ist unsere hierarchiefreie Führungskultur. Es gibt bei uns keine Anwesenheitslisten, keine Kontrolle und kein Misstrauen. Jeder bringt sich mit seinem Know-how ein und ist offen für Neues. Als Unternehmen schätzen wir eine offene Willkommenskultur und den Willen, über unseren eigenen Tellerrand hinauszublicken, sehr. Ideen kommen von überall aus unserem Netzwerk und liegen manchmal direkt vor der Tür in Ostwestfalen. So ist zum Beispiel das Highlight-Event Hinterland of Things eine der großartigen Plattformen, um Ideen zu teilen und sie gemeinsam weiterzuentwickeln.

Doch Netzwerken kann auch ganz anders funktionieren. Zu Beginn der Pandemie habe ich eine „Jammer-Hotline für geplagte Geschäftsführer der Weiterbildungsbranche“ ins Leben gerufen. Sich den Frust von der Seele zu reden und sich auszutauschen – sei es über Kurzarbeit, abgesagte Trainings oder die Digitalisierung –, hat uns allen gutgetan. Und das, obwohl wir doch eigentlich Wettbewerber waren. Es sind viele gute Ideen entstanden, etliche Kontakte bestehen auch heute noch. Insofern hatte Corona auch etwas Gutes: Wir sind näher zusammengerückt und haben den Mut gewonnen, Schwächen zuzugeben und an Stärken zu arbeiten. Ich persönlich nehme aus dieser Zeit mit: Wer gegen seine Überzeugung, gegen seine „DNA“ handelt, wird damit nicht erfolgreich sein.

Frau Schopen, wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch und Ihre ehrlichen Worte.

Marion Schopen ist Geschäftsführerin und Gesellschafterin des ime – Institut für Management-Entwicklung. Als Diplom-Betriebswirtin, systemischer Coach, zertifizierter Innovationscoach und Live-Online-Trainerin ist sie seit über 25 Jahren als Trainerin, Beraterin, Coach und Ausbilderin tätig. Ihre fachlichen Schwerpunkte liegen in den Themenbereichen Führung, Mentoring, Moderation, Präsentation und Train-the-Trainer.

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Annette Förster
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