Wer ist Edward?
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An der Bar mit Edward...

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Wer ist Edward?

In dieser Rubrik gibt es das Lounge-Gespräch, das sich nicht in erster Linie nur um Cocktails und deren Rezeptur dreht, sondern auch um die großen und kleinen Nöte des modernen Büromenschen – und den einen oder anderen Ratschlag, mit Augenzwinkern und auch ohne.

Heute stellen wir Ihnen jedoch erst einmal Edward, den Barkeeper vor – er wird Sie und uns in den nächsten Monaten in der Media Lounge begleiten.

Edward trifft letzte Vorbereitungen für den Abend, poliert noch ein paar Gläser und überprüft, ob sich alles am richtigen Platz befindet, als der erste Gast die Media Lounge betritt und an der Bar Platz nimmt: Business-Anzug, dezente Krawatte und leichtes Handgepäck. Etwas schwerfällig lässt sich der Geschäftsmann – er heißt Erik Schweigert –, auf dem Ledersitz des Barhockers nieder. Der Enddreißiger lädt mit dem Hinsetzen auch gleichzeitig die ganze Last des Arbeitstages dort ab: Kiloweise Mailverkehr, zig Pfund Telefonate,  das Gewicht von zwei anderthalb stündigen Meetings und einen Zentner zu treffende Entscheidungen.

„Erstmal ein Mineralwasser, bitte!“, presst der Neuankömmling seine Bestellung heraus.

Edward versucht mit einer freundlichen-dynamischen Erwiderung eine Stimmungsaufhellung zu initiieren: „Wir können Ihnen VOSS Mineralwasser, Aqua Morelli und Viva con Agua anbieten.“

Ohne auf das Angebot einzugehen erwidert der Geschäftsmann: „Es gibt Statistiken darüber, wie viel  Entscheidungen im täglichen Berufsalltag gefällt werden müssen – und jetzt geht es hier am Feierabend weiter.“

Der Seufzer verhallt unausgesprochen in der Weite der Media Lounge.

„Soll es eher samtig weich, prickelnd oder frisch und klar sein?“, unterbricht Edward die unangenehme Stille, die jeder schon mal kurz erlebt hat, nachdem der Chef ein Konzept in der Luft zerrissen hat. Der Blick von Schweigert hellt sich auf, und blitzschnell kommt seine Entscheidung: „Prickelnd, bitte!“

Eine halbe Stunde später ist die Lounge bereits gut besucht, der Marketing Manager sitzt schon deutlich entspannter auf dem Hocker und ist mittlerweile genauso aufgetaut wie die Eiswürfel in der Cola seiner Nachbarin.

Edward fragt ihn, wie sein Tag war und als sei dies ein Startschuss für eine chartreiche PowerPoint-Präsentation beginnt der Geschäftsmann zu erzählen: „Wissen Sie früher, war alles etwas leichter – es gab ein paar überschaubare Wege, um mit aktuellen oder potenziellen Kunden in Kontakt zu treten: Vielleicht eine Anzeige in einer Fachzeitschrift, ein Mailing oder ein Gespräch auf einer Messe.“ Heutzutage kämen dauernd neue Dinge hinzu: Suchmaschinen-Marketing, Behavioural Advertising, Influencer Marketing, Content Strategien und, und, und... Nach einer ellenlangen Liste von Themen und Trends sackt Schweigert förmlich auf seinem Hocker zusammen: „Es ist alles komplizierter geworden – leider“.

„Aber auch spannender, oder?“, erwidert Edward, und neue Herausforderungen seien doch auch nicht zu verachten.

„Nein, natürlich nicht.“

Schweigert fühlt sich plötzlich etwas unwohl, weil er sich in die Rolle des veränderungsresistenten Bedenkenträgers begeben hat. Aber mit ein paar Worten muntert der Barkeeper ihn wieder auf: „Ich habe von ihrem Job nur ein bisschen Ahnung, aber mir fallen auf Anhieb ein paar Parallelen ein: Früher gab es in unserem Gewerbe ein paar Klassiker, die jedem schmeckten. Meistens Drinks mit einer reduzierten Anzahl Zutaten, wie zum Beispiel ein Wodka Gimlet. Heute ist die Zahl der Möglichkeiten quasi explodiert und das Angebot ist scheinbar unendlich. Es gibt einen Kollegen, der haut Dinge zusammen, die man früher sogar getrennt aufbewahrt hätte: schottischen Auchentoshan, Holunderblütenlikör, Lavendelsirup, Bitter, Sherry und Orangenzeste – das Ganze nennt er dann „Good Morning Glasgow“.

Der Manager verzieht etwas das Gesicht und genehmigt sich schnell einen Schluck von seinem Harvey Wallbanger, so als könnte er damit den virtuellen Geschmack des Erzählten verdrängen.

Edward bleibt auf Kurs: „Entscheidend ist doch, dass das Produkt zur Zielgruppe passt. Für den Rum-Freund sind die Cocktails auf Wodka-Basis eher ungeeignet und einen Gin-Tonic-Liebhaber wird man nie mit einem Long Island Ice Tea beglücken können...“

„...so wie ich Kunden habe, die nicht so viel mit Print anfangen können“, führt Schweigert den Gedanken weiter, „und andere, die nicht darauf verzichten wollen. Oder können, weil es einfach sehr gut zur Zielgruppe passt. Und dann gibt es noch die Kampagnen-Profis, die einen speziellen Media-Mix orchestrieren,...“

„...so wie wir die richtigen Zutaten in unseren Cocktail-Shaker packen“,...

„...entscheidend ist natürlich auch, dass diese von hoher Qualität sind.“

„Und das man den Jigger zur Hand hat, damit die Menge stimmt und man nicht aus dem Bauch heraus agiert.“

„Und dann ist ja wohl auch wichtig, dass man individuelle Bedürfnisse erfüllen kann und auch für spitze Zielgruppen das geeignete Produkt im Angebot hat“, ergänzt Edward. Den Gedanken, dass eine entscheidende, enorm wichtige Leistung bei beiden besteht – nämlich eine kompetente Beratung des Kunden -, behält Edward für sich; schließlich möchte er die Vergleiche nicht überstrapazieren. Und sich auch nicht auf die gleiche Stufe wie sein Gast stellen.

Als hätte dieser es geahnt, weist Schweigert darauf hin, dass eine erfolgreiche Marketingkampagne dann doch etwas komplexer sei, als ein gelungener und wohlschmeckender Cocktail; auch wenn bei beiden am Ende die Zufriedenheit des Kunden stehe. 

„Dem ist nichts hinzuzufügen“, schmunzelnd Edward. „Möchten Sie noch einen Harvey Wallbanger?“

„Auf jeden Fall, der ist wirklich sehr gut“, sagt Schweigert zufrieden und fragt dann: „Wie heißen Sie eigentlich?“ „Ich heiße Edward“, sagt unser Mann hinter der Theke. „Aber Sie können mich gerne Eddy nennen.“

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Zur nächsten Folge von Edward an der Bar: Die dmexco, unreife Früchte und der lange Weg zur Entscheidung