Zur Sache mit Anna Schneider: Wieso müssen digitale Events gut inszeniert sein?

Aus der Not heraus geboren, bald aber state-of-the-art? Digitale Events sind der aufstrebende Stern am Veranstaltungshimmel. Im Interview schildert Anna Schneider, Leiterin Corporate Media bei Haufe Newtimes, warum ein digitales Event mit seiner Inszenierung steht und fällt und Involvement unerlässlich ist.


Zur Sache mit Anna Schneider: Wieso müssen digitale Events gut inszeniert sein?
© Anna Schneider

Liebe Anna, digitale Events entwickeln sich zunehmend zum neuen state-of-the-art. Welches Konzept, also hybride oder komplett virtuelle Veranstaltungen, kann in Deinen Augen mehr? Und warum?

Zunächst einmal: Dass digitale Events an Relevanz gewonnen haben, ist natürlich durch die Corona-Situation bedingt. Denn Präsenzveranstaltungen können aktuell schlichtweg nicht stattfinden. Und wenn doch, dann nur mit einer geringen Teilnehmeranzahl und unter strengen Hygienebedingungen. Insgesamt sind Vor-Ort-Events momentan also schwer bis gar nicht planbar. Das heißt aber nicht, dass Präsenzveranstaltungen nicht mehr funktionieren. Sie haben nach wie vor ihre Berechtigung. Insofern würde ich bei digitalen Events nicht zwingend vom neuen state-of-the-art sprechen, sondern eher einem ergänzenden Veranstaltungsformat. Wo aber liegt nun der Unterschied zwischen hybriden und rein virtuellen Events? Hybrid definiert sich so, dass es eine Präsenzveranstaltung plus digitale Inhalte gibt – und somit auch eine Vor-Ort-Interaktion. Bei rein virtuellen Settings fällt dieses Element weg. Generell denke ich, dass es sich nicht pauschal beantworten lässt, welches Konzept besser ist. Nur so viel: Seine Zielgruppe zu kennen und das digitale Event auf ihre Bedürfnisse und Anforderungen auszurichten, ist der wesentliche Erfolgsfaktor. Ein Beispiel: Möchte ich einen Fachkongress im IT-Umfeld veranstalten, kann ich davon ausgehen, dass die Teilnehmer digitalaffin sind. Hier bedarf es wenig bis keinen Erklärungsbedarf in Sachen Technik. Möchte ich ein digitales Event für eine Zielgruppe auf die Beine stellen, die aufgrund der Corona-Krise gerade einen Transformationsprozess durchläuft, muss ich anders an die Sache herangehen. Es hat sich in der Praxis bewährt, ein kleines How-to und eine Linkliste mit den benötigten Tools bereitzustellen. Um die jeweilige Zielgruppe zu erreichen, braucht es also unterschiedliche Arbeitsweisen und Mindsets. Das ist natürlich bei der Umsetzung eines digitalen Events zu beachten. Daneben spielen auch Thema und Content-Art eine zentrale Rolle bei der Frage, welches digitale Veranstaltungsformat passender ist. Geht es um eine eindimensionale Content-Vermittlung, etwa bei einer Datenschutzschulung, braucht es kein hybrides Event. Habe ich eine bidirektionale Content-Vermittlung, etwa bei einem komplexen fachlichen Thema, bei dem der fachliche Austausch wichtig ist, sieht es schon anders aus. Hier wäre wohl eher ein hybrides Event das Mittel der Wahl.

Wie müssen Veranstalter digitale Events, und vor allem die Inhalte, inszenieren, damit sie die Teilnehmer nicht ermüden, sondern für einen bleibenden Eindruck sorgen? Oder anders gefragt: Wie erzeugt man Wow-Effekte? 

Auch das ist sehr zielgruppenspezifisch. Was einer Zielgruppe gefällt, muss eine andere nicht gleichermaßen mögen. Was grundsätzlich ermüdend wirkt, ist eine frontale Wissensvermittlung. Besser ist es, die Teilnehmer aktiv einzubinden und Interaktion zu fördern. Beispielweise lassen sich digitale Events durch Umfragen anreichern. Dies sorgt für ein hohes Involvement und gibt den Teilnehmern das Gefühl, mehr als nur Zuschauer vor einem Bildschirm zu sein. Ebenso ist eine gute Moderation ein zentraler Pfeiler, um die Stimmung hochzuhalten. Dass die Hemmschwelle bei digitalen Events, mit dem Moderator oder Vortragenden in Kontakt zu treten, wesentlich geringer ist als bei einer Präsenzveranstaltung, ist auch eine interessante Beobachtung. Anders als bei einem Vor-Ort-Event sind die Blicke nicht auf den Fragensteller gerichtet und es braucht auch keine feste Stimme, sondern nur ein paar flinke Finger, welche die Frage in den Chat eintippen.

Es mag vielleicht etwas trivial klingen, aber ich denke, allein dadurch, dass Veranstalter digitaler Events die technischen Hürden möglichst gering halten, sich professionell gut aufstellen und nicht mit größeren Pannen durch eine Veranstaltung gehen, können sie bereits Wow-Effekte erzeugen. Einen richtigen Wow-Effekt erzielen sie allerdings durch eine gute Inszenierung. Man kennt es ja von Live-Veranstaltungen oder Messen. Manche Aussteller warten mit beeindruckenden Messeständen auf, die regelrecht imagebildend sind. Diese Inszenierung gilt es in den digitalen Raum zu transferieren. Gerade im Homeoffice werden die Grenzen zwischen ‚Zuhause sein‘ und ‚im Büro sein‘ immer weicher. Darum gewinnen Aspekte wie Außenwirkung und Branding eine neue Bedeutung. Umso wichtiger ist es bei digitalen Events, die Marke beziehungsweise ihr Image zu transportieren, etwa durch professionell aufbereitete Bilder und Hintergründe.

In den letzten Monaten haben viele Unternehmen mit digitalen Events experimentiert. Was glaubst Du, welche Strategie sich zukünftig etablieren wird? Welche Rolle wird die persönliche Begegnung einnehmen, die oft den Reiz von Veranstaltungen ausmacht? 

Ich bin fest davon überzeugt und hoffe es persönlich, dass digitale Events ein Teil des New-Normal sein werden. Denn sie haben viele Vorteile, die auch in Zukunft – in einer Welt nach Corona – nicht unerheblich sind. Stichwort: Kosteneffizienz. Sie lassen sich zeitsparend und ortsunabhängig wahrnehmen, sodass für die Teilnehmer die Reisekosten entfallen. Gleichzeitig sind digitale Events eine ideale Ergänzung für alle, die nicht an der Präsenzveranstaltung teilnehmen können. Sie haben die Möglichkeit, die Veranstaltung zu streamen oder sich ihre Aufzeichnung im Nachhinein anzuschauen. Ich denke, auf lange Sicht wird sich ein guter Mix aus Präsenz-, hybriden und rein digitalen Events etablieren. Denn in einem people-driven-Business sind der persönliche Kontakt und das Netzwerken von unendlichem Wert. Beides schafft Vertrauen. Natürlich lässt sich das auch digital bewerkstelligen. Aber es ist einfach nicht dasselbe.

Liebe Anna, vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch und deine Einschätzung!

Apropos: Am 24. März 2021 veranstaltet Haufe selbst ein hybrides Event – den Haufe Summit Real Estate. In insgesamt vier Talkrunden sprechen die Chefredakteure der Haufe-Immobilienmagazine mit hochkarätigen Gästen. Die Zuschauer, die den Gesprächsrunden digital zugeschaltet werden, erwartet ein wahres Feuerwerk an Fachkompetenz und Branchenerfahrung im Bereich Real Estate. Sie haben zudem die Möglichkeit, sowohl mit den Gästen als auch den Moderatoren in Kontakt zu treten.

Anna Schneider ist als Leiterin Corporate Media seit 2019 bei der Haufe Group tätig. Gemeinsam mit Ihrem Team realisiert sie Kommunikationsprojekte im klassischen sowie digitalen Umfeld und begleitet Unternehmen in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft bei Transformationsprozessen ihrer Unternehmenskommunikation. Haufe Newtimes/ Haufe Corporate Media bietet neben der Unternehmens- und Mieterkommunikation im wohnungswirtschaftlichen Umfeld auch zukünftig hybride Formate als Inszenierungsmöglichkeit für Unternehmen. 

Möglichkeit zur Vernetzung:
Anna Schneider auf Xing 
www.haufe-newtimes.de

Wie Sie ein stimmiges Markenimage schaffen und ihre Marke stärken, erfahren Sie in unserem Leitfaden: Markenaufbau im B2B. Was haben Bierdeckel mit der Positionierung von Marken zu tun?

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Klaus Sturm
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