#fürEINANDER mit Andreas Wagener: Digitale Hürden meistern

Prof. Dr. Andreas Wagener unterrichtet Digitales Marketing, ist Keynote-Speaker zum Thema Künstliche Intelligenz sowie Partner und Gesellschafter der Beratungsagentur Lutz & Wagener. Im Interview spricht er darüber, wie sich digitale Hürden meistern lassen und gibt Tipps für die Arbeit im Homeoffice.


#fürEINANDER mit Andreas Wagener: Digitale Hürden meistern
© Hochschule Hof

Herr Wagener, die Initiative #fürEINANDER soll eine zentrale Anlaufstelle sein, um anderen mit konkreten Hilfestellungen und Tipps zur Seite zu stehen. Durch Ihre vielfältigen Tätigkeiten können Sie die Krise aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Wie nehmen Sie die Situation wahr?

In der Tat kann ich in meinen Funktionen als Professor, Keynote-Speaker und Berater gleich eine dreifache Sicht auf die Corona-Krise gewinnen. Als Professor, muss ich gestehen, hat sich an meiner Arbeitsweise gar nicht so viel geändert. Da ich zwischen Würzburg und Hof, das ist ungefähr eine zweistündige Autofahrt, pendle, bin ich es gewohnt an meinen Forschungsprojekten im Homeoffice zu arbeiten. Anders verhält es sich jedoch mit Präsenzveranstaltungen, wie etwa Vorlesungen, Seminaren oder der Sprechstunde, in der ich mit meinen Studenten ihre wissenschaftlichen Arbeiten und Projekte bespreche. All das findet jetzt digital statt. Die Lehre ausschließlich digital abzuhalten, stellt erstmal eine gewaltige Umstellung dar. Erstaunlicherweise tun sich damit nicht nur betagte Professoren schwer, sondern auch die sogenannten Digital Natives. Auch sie müssen zunächst lernen, digital zu kommunizieren. Haben sie ihre anfängliche Scheu abgelegt, funktioniert die Kommunikation jedoch überraschend gut. Dies konnte ich in meinen Online-Vorlesungen und -Seminaren bei den Studenten beobachten. Selbstverständlich teile ich sie auch hier in Gruppen ein. Schalte ich mich dann direkt in eine Gruppe rein, unterhalten sich die Studenten oft reger als in einem Face-to-Face-Seminar. Das hätte ich anfangs gar nicht gedacht und bin umso überraschter, welchen positiven Einfluss die digitalen Möglichkeiten auf uns ausüben. Bei all den Herausforderungen, vor die uns die Corona-Krise stellt, ist sie eine Riesenchance, um digitale Fähigkeiten zu vertiefen – auch wenn man bereits digitalaffin ist.

Als Keynote-Speaker und Berater muss ich leider andere Töne anschlagen. Alle gebuchten Keynotes sind bislang auf die Nach-Corona-Zeit verschoben worden. Zudem haben viele Unternehmen ihr Marketing-Budget auf null gefahren. Positiv ist dennoch, dass die allermeisten Kunden und Partner äußerst verantwortungsvoll mit der Situation umgehen und sehr bedacht sind, dass keiner untergeht. Es ist schön, dass vielerorts ein derartiges Miteinander gepflegt wird.

In Krisenzeiten ist es fast schon ein ungeschriebenes Gesetz, dass Unternehmen als erstes das Marketing-Budget kürzen. Wie stehen Sie dazu und welche Learnings, etwa für die zukünftige Kommunikation – digital und analog –, können wir aus dieser Zeit mitnehmen?

Ich halte es für kontraproduktiv, das Marketing komplett runterzufahren. Strategisch betrachtet ist eine derartige Entscheidung ein klarer Ausdruck kurzfristigen Denkens. Denn: Zum aktuellen Zeitpunkt ist schon absehbar, dass Corona uns noch eine ganze Weile beschäftigen wird. Bereits 2008 hat uns die Finanzkrise gezeigt, wie schwierig es ist, den wirtschaftlichen Einbruch wieder einzuholen. Ich denke, dass es dieses Mal noch herausfordernder wird. Daher ist gerade jetzt eine gute Möglichkeit, dass sich Unternehmen strategisch gut aufstellen, um auf lange Sicht zu den Gewinnern zu gehören. Ich bin fest davon überzeugt, dass diejenigen, die jetzt marktorientiert denken, später ein deutlich größeres Stück vom Kuchen abbekommen. 

Zugleich ließ sich in den letzten Wochen eine sehr einseitige Kommunikation beobachten. Das Thema Corona dominiert nicht nur die Medien, auch die Zugriffe auf Paid-Content haben zugenommen, da die Menschen diesen mehr Vertrauen entgegenbringen. Schon bald werden wir hoffentlich Corona-satt sein, sodass sich wieder andere Themen, etwa Fach- und Trendthemen, kommunizieren lassen. Wichtig für Unternehmen ist, aufmerksam und wach zu sein, um diesen Zeitpunkt nicht zu verpassen. Ich habe es selbst bei meinem Thema „Künstliche Intelligenz“ gemerkt. Das Interesse daran ist in den letzten Wochen abgeflaut, was ich unter anderem anhand der sehr geringen Zugriffe auf meinen YouTube-Kanal und Klickzahlen meiner Blogbeiträge gespürt habe. Langsam, aber sicher steigen die Klickzahlen wieder – ein gutes Zeichen, dass Nicht-Corona-Themen wieder relevanter werden.

Außerdem lässt sich das Learning mitnehmen, im Geschäftsleben in Zukunft eine intensivere und hochwertigere Kommunikation zu pflegen. Was ich damit meine? Im Privaten passiert es mir aktuell immer öfter, dass ich mit Leuten telefoniere, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe, um sie zu fragen, ob sie wohlauf sind. Es ist paradox: Corona verbindet die Menschen wieder miteinander und lässt selbst Wildfremde ins Gespräch kommen. Auch Unternehmen ermöglicht das Gesprächsthema Corona, mit ihren Kunden mal über etwas Persönliches zu reden und somit die Beziehung zu vertiefen. Vielleicht sollten wir uns das zu Herzen nehmen und zukünftig auch im Geschäftsbereich mehr wie Freunde kommunizieren – sowohl persönlich als auch über digitale Kanäle.

Apropos digital: Viele Mitarbeiter arbeiten aktuell im Homeoffice und sind örtlich weit verstreut. Welche Tipps können Sie diesen als Homeoffice-Pro an die Hand geben?

Aber natürlich! Da ich selbst viel im Homeoffice arbeite, haben sich die folgenden Tipps für mich bewährt:

  • Tipp 1: Struktur ist wichtig.
    Es mag trivial klingen, aber die Arbeit im Homeoffice steht und fällt mit der richtigen Struktur. Das bedeutet nicht nur sich eine Tages- oder Wochen-To-Do-Liste zu schreiben, in der man seine Aufgaben priorisiert, sondern auch eine gute Mischung aus fixen Terminen und Arbeitsaufgaben zu finden, die sich eigenständig erledigen lassen.
     
  • Tipp 2: Realistisch sein.
    Vielen fällt es zunächst nicht leicht, voll konzentriert im Homeoffice zu arbeiten, etwa weil der spontane Ideenaustausch mit den Kollegen fehlt oder Kinder für Ablenkungen sorgen. Seien Sie daher nicht zu streng zu sich selbst und packen Ihre To-Do-Liste nicht zu voll.
     
  • Tipp 3: Sich selbst kontrollieren.
    Nur weil der Arbeitsweg im Homeoffice wegfällt und sich zwischendurch keine Schwätzchen mit den Kollegen halten lassen, ist diese gewonnene Zeit nicht gleichbedeutend mit Arbeitszeit. Schreiben Sie sich daher ihre Arbeitsstunden auf und kontrollieren Sie sich selbst, um nicht unbemerkt Überstunden anzusammeln.
     
  • Tipp 4: Sich ab und zu belohnen.
    Auch wenn dies eventuell auf Konfrontationskurs mit der deutschen Mentalität steht, in der festvorgegebene Arbeitszeiten zum guten Ton gehören: Haben Sie Ihr vorgenommenes Tagesziel erreicht, dann belohnen Sie sich doch einfach ab und an damit, in dem Sie früher Feierabend machen.

Danke, Herr Wagener, für Ihre Offenheit und die hilfreichen Tipps!

Prof. Dr. Andreas Wagener ist Professor für Digitales Marketing, E-Commerce und Social Media an der Hochschule Hof/University of Applied Sciences. Daneben verantwortet er als Partner und Gesellschafter der Vertriebs- und Marketingberatungsagentur Lutz & Wagener (www.lutzwagener.de)die Themenfelder Strategie, Business Development, Interim Management und Agenturtätigkeiten (Media und PR). Davor war er seit 1999 in verschiedenen Führungspositionen im Medienumfeld tätig – mit den Schwerpunkten Marketing und Sales sowie Entwicklung und Vermarktung digitaler Geschäftsmodelle.

Prof. Dr. Wagener ist zum einen als Keynote-Speaker für das Haufe-Expertenforum tätig und stellt sein tiefreichendes Wissen rund um das Thema KI für Beiträge in der Haufe Media Lounge zu Verfügung. Zum anderen ist 2019 Wageners Buch „Künstliche Intelligenz im Marketing – ein Crashkurs“ im Haufe Verlag erschienen.

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Whitney Johnson
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